Sonntag, 15. April 2018

Massenwanderung unserer Amphibien am Freitag



Wie schon vermutet hatten wir am Freitag, 13. April 2018 ideale Voraussetzungen für eine Massenwanderung. Nachdem es den ganzen Tag ununterbrochen geregnet hatte nutzen die Tiere, die eigentlich nachtaktiv sind, das ideale Wetter aus um sich auch schon am Tage auf den Weg zu machen.

So hatten wir am Abend bei noch recht milden 8 Grad und starkem Regen 956 Kröten, 5 Molche und 2 Frösche, die den Rückweg antraten. Zum Teich hin wollten nur noch einige wenige Tiere.


Freitag, 13. April 2018

Amphibienwanderung Bärenfichtenweiher 2018


Da unser Einsatzgebiet am Bärenfichtenweiher sehr hoch gelegen ist (433 Meter) ging die Saison dieses Jahr erst am 28.03.2018 los. Vorher liesen die Temperaturen eine Wanderung der Tiere einfach nicht zu.

Halbzeit

Seit dem späten Beginn der Wanderung suchten 2.537 Kröten und 78 Molche den Weg zu ihren Teichen auf und wurden von uns sicher an ihr Ziel gebracht. Vereinzelt sind noch Hinwanderer unterwegs, aber der überwiegende Teil dürfte nun durch sein. Seit ein paar Tagen suchen schon die ersten Tiere ihren Rückweg auf. Wenn eine Wanderung sehr spät beginnt können regnerische Tage mit Temperaturen ab ca. 7 Grad auch die Idealvoraussetzung für sogenannte Massenanstürme sein. Dann nutzen die Tiere die idealen Voraussetzungen für ihre Wanderung und treten nahezu in Massen auf. Diesem Ansturm dann "Herr" zu werden ist immer wieder eine echte Herausforderung. Somit dürfte es spannend sein, wie der heutige Abend, 13.04.18 so verlaufen wird, denn die Voraussetzungen für eine starke Wanderaktivität ist gegeben. An solchen Abenden ist es besonders wichtig, das genügend Helfer rechtzeitig vor Ort sind, damit die Tiere frühzeitig abgefangen werden können.

Wir hoffen deshalb, das wir neben dem verlängerten Holzzaun, den wir inzwischen bauen konnten, auch bald die dazugehörigen Untertunnelungen bauen lassen können. Auch ein wichtiges Fallgitter am Parkplatz, der eine besonders hohe Gefahrenquelle dar stellt fehlt noch um die Anlage zu komplettieren. Erst dann können die Tiere auch ohne ehrenamtliche Helfer sicher am Bärenfichtenweiher die Wanderung aufnehmen.

 Hier ein paar Impressionen der bisherigen Wanderung:







Donnerstag, 24. August 2017

Jahresrückblick 2016


Das Kalenderjahr 2016 war für Amphibien Hochtaunus ein sehr ereignisreiches Jahr, in dem wir einem unserer Ziele ein ganzes Stück näher gekommen sind.

Februar 2016


Um auf die jährliche Hauptwanderung der Amphibien im März/April und deren Problematik z.B. durch Straßentod aufmerksam zu machen veranstalteten wir im Februar 2016 an 3 Samstagen verschiedene Workshops für Groß und Klein, verbunden mit einer Schaufensterausstellung. Beides fand in der Stadtbibliothek in Königstein statt.

Den Anfang machte ein Workshop für Kinder von 3-5 Jahren mit ihren Eltern. Hier wurde gebastelt, erzählt und gequizzt. Am darauffolgenden Samstag waren dann die Erwachsenen an der Reihe. Die Teilnehmer erfuhren unter anderem Interessantes zum alljährlichen Wanderverhalten der Tiere, der damit verbundenen Gefährdung durch den Menschen und der Notwendigkeit des Amphibienschutzes, zum Beispiel als ehrenamtlicher Amphibienhelfer. Der letzte Workshop stand Kindern im Alter von 6-10 Jahren zur Verfügung. Alle Veranstaltungen konnten kostenlos durchgeführt werden und wurden zahlreich besucht. Auch die Schaufensterausstellung kam bei den Passanten gut an.




März und April 2016


Neben unserer jährlichen Rettungsaktion am Bärenfichtenweiher waren wir auch am Meerpfuhl bei Merzhausen aktiv. Hier galt es nach den provisorischen Zaunreparaturen auch überall dort mobilen Zaun aufzustellen, wo eine Reparatur nicht mehr möglich war bzw. die Zaunanlage scheinbar zu kurz ist. An beiden Einsatzorten waren wir sowohl morgens als auch abends mit unserem ehrenamtlichen Helferteam im Einsatz und konnten somit neben unserer Rettung auch wieder eine ausführliche schriftliche Dokumentation anfertigen, insbesondere mit aufschlussreichen Erkenntnissen bzgl. der Funktionalität der Leitanlage in Merzhausen. Neben den vielen geretteten Amphibien konnte auch die Rettung einer ausgesetzten Schildkröte vorgenommen werden, die bei einer Helferin ein vorübergehendes neues Zuhause fand und aufgepäppelt wurde.

Die Ergebnisse unserer Rettungsaktionen können unter "Ergebnisse" nachgelesen werden.


Einsatzort Merzhausen - Mobiler Zaun und Tod von vielen Amphibien durch Waldarbeiten in der Wanderungszeit


Nach weiteren provisorischen Zaunreparaturen durch uns  wurde vor Beginn der Wanderung zusätzlich noch mobiler Zaun aufgestellt.


An dieser Stelle wurde von uns der Holzzaun um ein Stück mobilen Schutzzaun ergänzt, da die Tiere aus dem unteren Waldstück sonst direkt auf die Straße gelangen können.

Entsetzlicherweise wurde genau in der Hauptwanderungs-zeit der Amphibien entgegen des Bundesnaturschutz-gesetzes, § 39, welches besagt, dass zwischen 1. März und Ende September keine Baumfällarbeiten durchgeführt werden dürfen, eine große Menge Holz geschlagen und mit schweren Gerätschaften abtransportiert, so dass viele Tiere, die sich bereits in diesem Waldstück aufhielten den Holzarbeiten zu Opfer fielen. Lt. Aussage der Unteren Naturschutzbehörde seien diese Arbeiten jedoch trotzdem zulässig gewesen.

Zwar konnten die Arbeiten von einer engagierten Helferin aus unserem Team, die auch Mitglied im BUND ist, vorerst gestoppt werden, wie sehr der Population jedoch tatsächlich geschadet wurde kann nicht gesagt werden. In dem damaligen Zeitungsartikel entschuldigte sich der zuständige Revierförster, Karl-Matthias Groß für die Arbeiten, er habe es schlicht nicht auf dem Radar gehabt. Link zum Artikel: Amphibientod durch Waldarbeiten


Einsatzort Niederreifenberg

Um die Einfahrt am Parkplatz für die Amphibien provisorisch abzusichern wurde nach Rücksprache und Genehmigung durch den dortigen zuständigen Revierförster  beim Forstamt Königstein eine mobile Absperrung gebastelt, die an Abenden mit besonders viel Wanderung vor Beginn des Einsatzes aufgestellt und nach Beendigung wieder abgebaut werden kann. Hierbei kann der vordere Parkplatzbereich trotzdem noch befahren werden. Dies stellt jedoch nur eine vorübergehende Lösung dar, bis die wichtige fehlende Stopprinne von den Behörden genehmigt und gebaut worden ist, ein entsprechender Antrag ist bereits gestellt.


Die mobile Absperrung verbindet die beiden mobilen Zaunenden der Schutzzäune links und rechts.

Hier noch rechts im Bild zu sehen: Der mobile Zaun, der jedes Jahr auf- und wieder abgebaut werden musste.





Nach der Wanderung ist vor der Wanderung


Niederreifenberg


Wie mit der Oberen Naturschutzbehörde vereinbart starteten wir nach der Wanderung mit der Planung und Umsetzung der Zaunverlängerung. Erste Vorbereitungen hierfür nahmen wir bereits im letzten Quartal 2015 vor, wie man dem vorherigen Post entnehmen kann.

Beim Bau galt es zu beachten, das dieser nicht in die spätere Jungtierwanderung der Amphibien fällt und bis zur Herbstwanderung fertig ist. Außerdem war es wichtig, dass wir mit unserem Amphibien-Know-How regelmäßig vor Ort waren um zu gewährleisten, dass der Zaun auch den späteren Anforderungen gerecht wird.  Hierbei war es vorteilhaft, dass die beauftragte Firma bereits Kenntnisse im Bau von Holzschutzzäunen im Amphibienschutz hatte und sowohl die Zusammenarbeit als auch die Kommunikation an dieser Stelle reibungslos verliefen. Um die Kosten zu minimieren wurde der Firma das Material von uns selbst ausgelegt und der sogenannte Überkletterungsschutz später in Eigenleistung von uns, Amphibien Hochtaunus, selbst gebaut.

Anstelle des mobilen Schutzzauns sorgt nun ein stationärer Holzzaun für den dauerhaften Schutz der Amphibien.

Hier: Verlängerung Richtung Schmitten.




Jetzt fehlt nur noch die wichtige Stopprinne an der Parkplatzeinfahrt, um die beiden Holzzaunenden zu verbinden.







Zaunverlängerung Richtung Niederreifenberg.



Durch eine großzügige Spende konnten wir zusätzlich noch spezielle Umkehrelemente an den jeweiligen Zaunenden anbringen, die künftig dafür sorgen, das die Tiere wieder zurück an die Anlage geleitet werden.  Der Überkletterungsschutz sorgt schließlich dafür, das die Amphibien nicht über den Zaun klettern können.






Merzhausen

Hier wurde nun von der Umweltgruppe AGENDA 21 Weilrod auf der Wiesenseite der alte marode Holzzaun abgerissen und durch Leitplanken ersetzt. Ursprünglich war vereinbart, das dies bzgl.  eine Absprache mit uns erfolgt, damit wir mit vor Ort sein können und unsere Erkenntnisse über die Anlage und die Amphibien einbringen können. Leider wurde dieser Vereinbarung nicht nachgekommen, was dazu führte, das die Leitplanken offensichtlich gänzlich ohne jegliche fachliche Anleitung verbaut wurden.

Als wir uns den Verbau später vor Ort ansahen, mussten wir bereits erhebliche Mängel feststellen. Wir dokumentierten alle Auffälligkeiten und informierten an dieser Stelle bereits die Behörden und wiesen noch einmal darauf hin, das die Leitplanken ungeeignet sind, da diese bereits die erforderliche Mindesthöhe schon nicht gewährleistet. Man verwies uns zunächst darauf, das die Arbeiten noch nicht abgeschlossen seien und es sich somit zunächst um den Rohbau handelt. Bereits hier konnte jedoch mit der von uns eingeholten Meinung eines anerkannten Fachexperten schnell festgestellt werden, das diese Leitplanken als stationärer Amphibienschutz, vermischt mit einem alten stationären Tunnelsystem, weder jetzt noch künftig funktionieren kann und wird.

Auf die Frage, wieso die AGENDA 21, Umweltgruppe Weilrod sowie der stellvertretende Leiter des Forstamtes Weilrod, Herr Thomas Götz, der diesen Verbau hauptsächlich zu verantworten hat  auf diese Leitplanken bestand konnte bislang keine fachlich plausible Argumentation vorgebracht werden. Stattdessen beruft man sich hier lediglich auf eine angebliche "Empfehlung" sowie darauf, dass es sich hierbei nun mal um die günstigste Variante handelt. Das sich Leitplanken als stationäre Anlage im Amphibienschutz jedoch schon vor 30 Jahren als gänzlich ungeeignet erwiesen haben  wird ignoriert und heruntergespielt.

Erst bei der nächsten Amphibienwanderung im Frühjahr 2017 wird sich live zeigen, inwiefern eine Funktionalität hier gegeben ist oder nicht. Wir werden darüber weiter berichten.



Abgerissener Holzzaun auf der Wiesenseite am Meerpfuhl bei Merzhausen. Dokumentiert von Amphibien Hochtaunus.